Männer
Es gibt auf der Welt merkwürdige Wesen. Im Zeitalter der Autos, der Computer und Mobiltelefone bewegen sie sich entspannt, auch ausgefallene Sicherungen wechseln sie spielend aus, wenn sie stark motiviert sind, wenn sie von der Frau von nebenan darum gebeten werden.
In die Arbeit gehen sie anständig angezogen, gern und pünktlich. Sie duften. Zu der Zeit rasieren sie sich auch jeden Morgen freiwillig. In der Arbeit pflegen sie gesprächig, bereitwillig und galant zu sein. Sie sind im Stande, die Werkskantine laut zu loben. Um ihre Familie kümmern sie sich verantwortungsvoll, manchmal denken sie sogar an die Geburtstagsfeier der Gattin – wenn es überall schon geschlossen ist und die Torte längst aufgegessen ist. Die Namen ihrer Kinder kennen sie, aber manchmal verwechseln sie die Anzahl. Wenn sie regelmäßig die Zahl erhöhen, so ist es durchaus möglich, dass sie sich nicht irren.
Gewöhnlich kommen sie am Abend nach Hause, sie duften nicht. Sie setzen sich zum Tisch – sie haben bereits alles gesagt. Oft runzeln sie die Stirn, besonders dann, wenn irgendjemand (ohne entsprechende psychologische Vorbereitung) von einem tropfenden Wasserhahn im Badezimmer spricht, von einem verdächtigt weichen Autoreifen, vom Rasenmähen. Die heimische Küchen müssen sie nicht loben, sie loben die Küche damit, dass sie essen... Sie haben Aversionen gegen automatische Geschirrspüler. Gegen die lebenden Geschirrspüler haben sie gewöhnlich keine Aversionen. Es scheint sogar, dass sie sie auf eine besondere, nichterkennbare Art sogar lieben...
Wenn sie etwas für das allgemeine Wohl tun können, gehen sie fröhlich und gut gelaunt Bänke bauen, den Rasen um die Wege herum mähen und Sträucher schneiden, Verpackungen von hungrigen Touristen wegräumen... Gewöhnlich kommen sie spät in der Nacht torkelnd nach Hause. Es zieht aus ihnen das Wohlbefinden, mit einem guten Nachbarn begossen mit Bier, Fernet, Bier, Fernet, Fernet, Fernet.
Zweimal im Jahr überkommt sie etwas, was Urlaub genannt wird. Diesem besonderen Wesen dient er zur Überwindung von Naturelementen. Sie hören auf, sich zu parfümieren, zu rasieren. Sie setzen sich auf die Fahrräder, ziehen Bergschuhe an, sie starten so hoch wie nur möglich und so weit wie nur möglich und wenn sie Glück haben, werden sie vom Regen ordentlich durchgepeitscht und vom Hagel massiert... Bald verlieren sie den Weg, sie verlieren die Landkarte. Auf dem Radweg erscheinen Leitern, Hurra! Eine Brücke über den Fluss verschwindet plötzlich und es gibt sie nicht, es wird notwendig sein, zu waten, nur dicker noch! Die richtige Richtung erweist sich als die falsche, also kehrt um und wieder hinauf und runter, rauf und runter, Hurra, Hurra!
Wenn am Horizont ein weiteres verlorenes Wesen auftritt, teilt es mit ihm den letzten Müsliriegel, den letzten energetischen Schluck...
Üblicherweise kriechen sie gegen früh nach Hause, zittrig, nass, zerrissen, dreckig und stinkend. Sie sind komisch schrumpfig vor Runzeln und Hunger. Sie lassen sich von der Gattin pflegen, füttern. Sie würden gerne das Essen loben, bewegen auch den Mund, aber es kommt keine Stimme mehr heraus, sie ist vertrocknet. Sie lassen sich also ins Bett bringen und schlafen mit überglücklichem Gesichtsausdruck ein. Sie schnarchen fürchterlich...
Männer sind sooo anders als wir Frauen. Gott sei Dank.
Biker
Diese Wesen sind in Zivil von der gängigen Mehrheitspopulation kaum zu unterscheiden. Sie haben Hände, Beine und andere wichtige Gliedmaßen, die Fein- und Grobmotorik ist entwickelt, sie sind gewöhnlich männlichen Geschlechts - ehrenhafte weibliche Ausnahmen befinden sich schon unter ihnen. Ein unübersehbares Merkmal unterscheidet sie doch von der gängigen Population – vom Nacken zieht sich über die Stirn, die deformierte Nase und die Lippen bis zum Kinn ein Schliere, die meist ein Jahr lang blutrot ist.
In einem bestimmten Augenblick, der möglichst täglich passiert, legen die Wesen das Zivile ab. Sie ziehen dann ein rotes Unterhemd, ein rotes T-Shirt, eine schwarze Jacke, eine schwarze Unterhose, leider schwarze Shorts (rote waren nicht aufzutreiben und sie würden sich ohnehin dafür schämen, sie aufzutreiben zu versuchen), rote Socken, rote Schuhe, rotgrüne Handschuhe an, am Rücken einen roten Rucksack, am Kopf einen roten Helm, leider eine schwarze Brille. In die Hand nehmen sie eine rote Plastikflasche mit einem Isogetränk und stecken sie in den roten Halter hinein. Da steigen sie schon ganz rot vor Begierde aufs rote Rad mit roten Reifen und schwarzen, neu geflochtenen Speichen. Auf der Lenkstange haben sie ein Tachometer, das nur von Deppen so genannt wird. Terminologisch richtig heißt es Cyklocomputer. Es hat einen roten und einen gelben Punkt und kleine, schwarze Zahlen.
Die Wesen steigen aufs Fahrrad und hören auf, die Welt wahrzunehmen. Irgendwo im hinteren Hirnanhang haben sie ganz sicher die Information darüber gespeichert, dass sie eine Familie besitzen und gar eine Ehefrau, die gerade hohes Fieber wegen Erkältung ins Bett geschmissen hat (sie benötigt dringend Medikamente und Hilfe im Haushalt), jedoch im Moment, wenn sie in die Pedale treten, steht es um sie so, als wäre ihnen das Hirn mitsamt dem Anhang durch die Lüftung des roten Helms hinausgezischt.
Sie fahren durch die Landschaft und atmen aus voller Lunge. Damit sie nicht der Schlag trifft, übertreffen sie alle Rekorde! Durch welche Landschaft sie fahren, wissen sie nicht, sie verfolgen das Tachometer, du Depp, den Cyklocomputer. Die aktuelle und die Durchschnittsgeschwindigkeit steigt, ebenso die Anzahl der gefahrenen Kilometer, sie nähert sich der Dreitausender-Marke! Die Wesen müssten mal, aber sie können nicht, sie dürfen nicht halten, nicht den Rekord gefährden, der Bauch tut ihnen weh. Es ist ihnen vom Magen übel, es hilft nichts, sie müssen durchhalten, sie müssen treten, der Schädel dreht sich schneller als die Zahlen am Tachometer, sie wissen nicht einmal mehr, wie man es richtig sagt, der Rekord naht, in der maximalen Geschwindigkeit erscheint der Dreier und dahinter drei magische Nullen und schon, schon, schon fliegen sie über die verbogene Lenkstange, das vordere, verdrehte Rad, schon ziehen sie mit dem Kinn den Hagebuttenstrauch auseinander, ackern mit der Nase im Straßengraben, prüfen mit der Stirn die Qualität der Unterlage und schon, schon, schon rappeln sie sich wieder auf die Beine hoch, das Blut spritzt ihnen über die Augen ohne Brille, schon laufen sie zum zerfetzten Fahrrad, suchen das Tachometer, aber sie finden es nicht! Alles ist verloren! Das Leben hört auf, einen Sinn zu haben! Nichts hat einen Sinn! Es ist Schluss.
Bevor sich die Schrammen mit Krätzen überziehen, gehen sie zu Fuß ins Fahrradgeschäft beim Michal, die Familie kann ruhig verhungern. Dieses Mal entscheiden sie sich fürs Gelb. Einen neuen Cyklocomputer haben sie bereits in der Tasche. Das Leben ist wunderschön!
Bikeforum
Was hat sie denn dauernd mit dem Rot? Fragte der erste Biker in Internet- Chatroom, der auf meine Kolumne mit dem Namen Biker, die ich unlängst schrieb, reagierte. Meiner Meinung nach hat ihr unsensibler Partner, der seine kranke Frau zu Hause fast sterben lässt, einen roten Cannondale, schloss sich ein weiterer Biker der Diskussion an. Das Weib ist wahrscheinlich nie im Leben auf einem Bike gesessen, schrieb der Dritte. Das ist eine Feministin mit Komplexen, die witzig zu sein versucht, meinte der Vierte dazu. Ob es überhaupt ein Weib ist, oder eher eine niedrigere phototrophe Form von Wesen, setzte der fünfte Biker hinzu. Ist die nicht irgendwie deppert? fragte der Sechste. Das muss eine neidische, fette, bebrillte Kuh sein, die ewig daheim hinterm Ofen hockt, plärrt, weil sie kein Geld hat und im Stillen neidisch ist, wie sich so die Menschen schön unterhalten können. Oder kennt sie jemand von euch? Dem Siebenten antwortete der Achte: heute schreibt jede Blunzen in der Zeitung.
Ich würde es nicht so rot sehen, chattete der neunte Biker. Ich bin überzeugt davon, dass uns so nur der Mensch sehen kann, der rundum eine Inanspruchnahme vermisst. Ich schlage vor, dass derjenige, der herausfindet, womit sich diese Boučková befasst, auch ein Feuilleton darüber schreibt. Aber, aber, meine Herren, wo bleibt der Sinn für Humor? fragte der Zehnte, aber es kann sein, dass es wieder der erste Biker war, oder der dritte oder der dreiundzwanzigste… Wenn unsere Clique in einem Dorfwirtshaus ankommt, so sehen wir in unseren Kleidchen aus, als wären wir gerade mit einem fliegenden Teller gelandet. Und ehrlich, Hand aufs Herz, welches Loch im Familienbudget macht dieses Pferdchen aus (ich besitze einen schwarzen Cannon mit gelbem Zubehör). Ehrlich gesagt, reagierte der weißgottwievielte, ich lege viel Wert auf das Bike und investiere mein Fährt auch eine schöne Summe. Ich trage einen roten Dress und flog über die Lenkstange, sakrisch, war die Kolumne etwa nicht über mich?
Ich weiß nicht, mir ist es so witzig vorgekommen, als würde man sich über Chinesen lustig machen, dass sie gelb sind oder über Blinde, die auch nachts dunkle Brille tragen. Es klang für mich als ob jeder Radfahrer ein gesegneter Depp mit verdunkeltem Hirn wäre, dass es solche nicht gäbe… ehrlich – die zivile Umgebung nimmt uns wirklich so wahr… die zivile Umgebung nimmt uns so wahr, als hätte man uns das Hirn ausradiert? Woher kennt mich die Boučková? Wo spioniert sie mir nach, woher weiß sie von meinem roten Unterhemd und meinem Tacho mit zwei Knöpfen?! Ich sie nicht schlussendlich von BIS (Sicherheits-Info-Dienst)? Ich bin zum Beispiel verrückt nach dem Gelb. Statte ich mein Bike aus dem Familienbudget aus? Jo. Bin ich rücksichtslos und favorisiere ich mein Bike über alles? Jo. Schaue ich in den Augen der Umgebung wie ein Depp aus? Jo. Ich weiß nicht, wie ihr es seht, aber ich fühle mich geehrt… Ich fahre schon irrsinnig lange Rad und vor allem wegen des nur so schwer beschreiblichen Gefühls, das Boučková wahrscheinlich nicht kennt. Würde sie es kennen, müsste sie ein rotes Unterhemd tragen oder einen engen Dress direkt am Leibe, nicht wahr? Sie hätte schöne, sportliche Waden und einen wunderschön festen Hintern. Jedenfalls, grüße ich aus dem Sattel und sage: Versuchs auch Tereza, es lohnt sich…
Schon schon schon lese ich die letzten Buchstaben in Internet - Chatroom fertig, schon laufe ich zu meinem Fahrrad, schon schmeiße ich die Brille weg, die angehäuften Kilos ebenso, Vorurteile und Komplexe, schon trete ich in die Pedale und beginne zu begreifen. Mir geht’s unbeschreiblich gut. Ich grüße alle aus dem Sattel des Bikes: versucht es auch, es lohnt sich…
(Schon schon schon fliege ich über die Lenkstange und es macht mir überhaupt nichts aus…)
Yogastunden für Ältere und Fortgeschrittene
Unlängst las ich da in dieser Zeitung einen interessanten Bericht darüber, dass ein dreijähriger deutscher Schäferhund Namens Hritik in einer bestimmten indischen Stadt in Yogastunden geht und gar einen eigenen „Trainer“ hat, der das ehrliche Durchführen der Übungen beaufsichtigt. Der Hundebesitzer sagt, dass Hritik alle yogamäßigen Bewegungen nachahmt – Yoga machte ein starkes Hundsvieh aus ihm.
Mich würde interessieren, wie sich Hritik bei der Entspannung verhält, mit der jede richtige Yogastunde beginnt und endet? Man liegt dabei auf dem Rücken (unser Hund ist im Bett sensationell darin)und der Mensch – und hier auch der Hund – soll seinen Körper bis in die Zehen- …Pfotenspitzen bewusst spüren. Stück für Stück, Glied um Glied denkt er an alle Knochen, die er überall hat. (Unser Hund denkt auch an die Knochen, die im Kühlschrank sind! An was denkt wohl Hritik, wenn er Vegetarier ist?) Wie er sich seiner Knochen gezielt bewusst wird, wie er sich konzentriert, befreit sich auch sein Geist…
Er sollte sich befreien, aber das ist es ja, was ich nicht schaffe. Unser Herr Meister, der in unserer Gemeinde Yoga unterrichtet und der uns auch gerne zum buddhistischen Lebensstil begleiten würde, sagt uns mit ruhiger, ausgeglichener Stimme, wohin wir uns in der Entspannung verschieben sollen.
Bei mir mischt sich da hinein: einen Dauerauftrag für die Schulausspeisung errichten! Die Wäsche aus dem Garten unters Dach hängen! Haben wir genug Brot zum Frühstück? Hoffentlich habe ich die Würsteln nicht auf der Kredenz liegen lassen! Wenn die Katze ins Haus kommt?!... den ganzen Körper entspannen... den ganzen Körper..., drängt sich in meine Überlegungen des Meisters Stimme und ich denke: Soll ich nicht doch das 36. Bild im Drehbuch ändern, das, was ich schon 100mal umgeschrieben habe?
Den ganzen Körper... klingt in meinen Ohren und ich schäme mich, dass ich überhaupt nicht entspannen kann. Und da erklingt stilles Schnarchen von meiner ehrlich entspannten Nachbarin, einer ebenfalls angehenden Buddhistin.
Ich weiß schon, wie es Hritik macht! Vielleicht wird einmal auch ein... starkes Hundsvieh aus mir!
Tante, genannt Fräse
Tante Resi beschloss, wie in jungen Jahren in die Berge zu fahren. Das bedeutete, sie musste einkaufen, vorkochen, Sachen einpacken und alles schön auf dem Rücken drei Kilometer hinauf in die Gebirgshütte tragen, dorthin, wo man im Zimmer in einem Ofen heizt, wo auf überbreiten Betten mehrere, auch fremde Menschen nebeneinander schlafen und wo kein Wasser fließt, sondern in Kannen zum Waschbecken getragen werden muss. In den Latrinen, die Zugluft und Zufrieren von bestimmten Körperpartien gratis bieten, fliegen bei stärkerem Wind „Papierschmetterlinge“ um die Allerwertesten herum…
Zu allererst musste Resi auf dem Dachboden den uralten Rucksack finden, (er war immer noch um einiges jünger als die Tante),die uralten Langlaufschuhe, die uralten Langlaufskier der imponierender Marke PAMPOROVO und die uralten Bambusstöcke. Und dann trotz Warnung der Reiseorganisation, dass man manchmal mit Pensionisten, die schnarchen, in einem Zimmer schläft, hurra in die Berge. Resi hatte vor Schnarchen fürchterliche Angst, sie wusste, sie würde die ganze Nacht kein Auge zutun und dadurch würden ihre Langlaufleistungen ordentlich leiden.
Als sie sich vor der Abfahrt von ihrer alten Mutter verabschiedete (sie war immer noch um einiges jünger als Tantes Bambusstöcke), beschenkte sie diese mit Ohrstöpseln und Resi stopfte sie gleich in der ersten Nacht bis zum Trommelfell beider Ohren so fantastisch hinein, dass sie überhaupt nichts hörte, nicht einmal ihr eigenes fürchterliches Schnarchen, und auch nicht das eifrige Schmatzen der fünf Familienangehörigen, mit denen sie im Zimmer zufrieden schlief und die alle mitsammen kein Auge zugetan hatten. Erst als sie Tante Resi den Kopf gerüttelt hatten, waren die Stöpsel herausgefallen, alle waren am Morgen herrlich ausgeschlafen, nur die Tante nicht!
Die Leistungen von Tante Resi waren nach solchen Nächten wirklich eingeschränkt und so bildete sie mit zwei Burschen aus beiden Familien eine Kindermannschaft, mit der sie halbe Strecken lief (für die Tante ein sehr gehobener Ausdruck!).
Zu einer wirklich populären Anführerin wurde sie am dritten Tag, als sie mit den Burschen unterwegs zur Hütte war, jedoch nicht auf der sanften, mehrere Kilometer langen, gespurten Langlaufloipe, sondern direkt über den verbotenen Steilhang, auf der nicht gespurten Abkürzung durch den Wald. Die Burschen meinten großtuerisch, sie würden die Abfahrt durch den halben Meter Pulverschnee mit dem linken Bein schaffen und die Tante hatte die Aufgabe, als letzte zu fahren, damit sie nicht im Weg stehe.
Als bei der wahnsinnigen Geschwindigkeit kein Abbremsen mehr möglich war, fuhr die Tante am ersten lebendigen Schneemann vorbei, wie er mühsam aus dem Schneetrog stieg, und begann irrsinnig zu lachen. Und als sie bald darauf den nächsten überholte, den mit den Beinen nach oben, brüllte sie buchstäblich vor Wonne. Aber plötzlich wurde auch ihr schwarz vor Augen! Auch sie fräste einen fürchterlichen Tiger in den Pulverschnee und es schaute lange so aus, als hätte sie gleich mehrere Sterne gerissen, und dass sie nie mehr… niemals mehr ein Feuilleton schreiben würde.
(Übersetzung Hana Rigo)